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A-4.1.1 Allgemeine Hinweise

Arten und Eigenschaften von Luftbildern

Bei der überwiegenden Anzahl verfügbarer Luftbilder handelt es sich um Schwarz-Weiß-Aufnahmen, zumeist im Format 23 cm x 23 cm. Farbaufnahmen werden zunehmend angefertigt, da diese Bilder zusätzliche Informationen liefern können. Color-Infrarot (CIR)-Aufnahmen nehmen die Wärmestrahlung des infraroten Spektrums auf und können für Spezialfragen eingesetzt werden.

Luftbilder haben folgende Vorteile:

  • Sie stellen Sachverhalte objektiv dar,
  • Sie sind häufig die einzig zuverlässige Quelle für historische Begebenheiten,
  • Sie liefern schnell einen Überblick bzw. Informationen über größere Strukturen und Flächen,
  • Objekte sind messbar in Richtung und Fläche

und folgende Nachteile:

  • Sie stellen nur einen bestimmten Zeitpunkt dar („Augenblicksdarstellung“),
  • Sie liefern indirekte Aussagen, die der Interpretation bedürfen,
  • Die Auswertung/Interpretation ist subjektiv beeinflusst.


Luftbildauswertung

Um potentielle Gefahrenherde möglichst vollständig zu ermitteln, genügt es nicht, nur eine sogenannte monotemporale Bildanalyse durchzuführen, d.h. allein die Bilder einer einzigen Befliegung auszuwerten. Viele Veränderungen der Gebäude- und Anlagenbestände sowie vor allem die - auch in Betriebsplänen nicht oder höchst lückenhaft dokumentierten - Verfüllungen und Aufschüttungen oder die Kriegseinwirkungen sind nur dann zuverlässig und vollständig zu kartieren, wenn die Bildauswertung multitemporal angelegt wird. Dazu sind konsequent sämtliche Luftbildsätze zu berücksichtigen.

Grundsätzlich sind bei einer systematischen sequentiell-multitemporalen Luftbildauswertung folgende Merkmale zu kartieren:

  • Flächennutzungen bestimmter Kategorien,
  • die luftbildsichtbaren Formen der Realnutzung, d.h. sämtliche Gebäude und Anlagen, Verkehrswege, Leitungen usw.,
  • Ablagerungen in Verfüllungen bzw. Aufhaldungen,
  • sämtliche Kriegseinwirkungen in Form von Anlagenschäden und Bombentrichtern.

Um den Anforderungen der Bauverwaltung nach optimierten Ergebnissen der altlastenorientierten Luftbildauswertung unter zeitlich-ökonomischen und fachlichen Gesichtspunkten gerecht zu werden, wird die Luftbildauswertung in die Bearbeitungsschritte Luftbildbeschaffung, Luftbildvorauswertung und Luftbilddetailauswertung untergliedert.


Luftbildvorauswertung

Die „Luftbildvorauswertung mit Flächennutzungskartierung“ ist eine standardisierte Methode zur systematischen Auswertung von Luftbildern, deren nutzungs- und themenunabhängige Anwendbarkeit für jedes beliebige Untersuchungsgebiet gewährleistet ist. Durch die multitemporale Luftbildvorauswertung werden für den jeweiligen Standort Flächennutzungen ermittelt und in einer einheitlichen Darstellung dokumentiert. Die Kosten für die Luftbildvorauswertung liegen in der Regel unterhalb derer für die eigentliche Luftbildbeschaffung.

Die Luftbildvorauswertung mit Flächennutzungskartierung basiert auf der Bestimmung bestimmter luftbildsichtbarer Flächennutzungskategorien, die in einem hierarchischen System von Haupt- (6 Definitionen) und Subkategorien (17 Definitionen) geordnet sind.

Diese werden ausschließlich in der Luftbildvorauswertung angewendet. Detailkategorien werden dann in der Luftbilddetailauswertung festgelegt. Bei den beiden ersten Ebenen handelt es sich um:

Hauptkategorie

Subkategorie

1. Verkehrsflächen

1.1

Flächen des Luftverkehrs

1.2

Flächen des Bahnverkehrs

1.3

Flächen des Kfz-Verkehrs

2. Bebaute Flächen

2.1

Wohnbauflächen

2.2

Technisch-gewerblich genutzte Fläche

2.3

Depot- und Lagerflächen

2.4

Industrieflächen

2.5

Flächen mit baulicher Altsubstanz

3. Freiflächen

3.1

Grünflächen allgemein

3.2

Ablagerungsflächen

3.3

Flächen der Rohstoffgewinnung

3.4

Gering beanspruchte Flächen

3.5

Stark devastierte Flächen

4. Waldflächen

4.1

Reine Forstflächen

4.2

Forstflächen mit Sekundärnutzung

5. Wasserflächen

5.1

Wasserflächen allgemein

6. Sonderflächen

6.1

Kampfmittelbelastete Flächen

Die Luftbildvorauswertung stellt die Ergebnisse in einer Flächennutzungskartierung dar, die ergänzt wird durch eine tabellarische Beschreibung altlastenrelevanter Objekte, für die die Notwendigkeit einer Luftbilddetailauswertung formuliert wird.


Luftbilddetailauswertung

Auf Basis der Ergebnisse der Luftbildvorauswertung und der darin formulierten Notwendigkeit für eine Detailauswertung, wird auf Basis des im Anhang gegebenen Leistungskatalogs eine entsprechende Auswertung für ein Gesamtobjekt oder für altlastenrelevante Liegenschaftsteile beauftragt.

Die Luftbilddetailauswertung stellt dabei eine Vertiefung der Luftbildvorauswertung dar. Dies gilt v.a. für die Auflösung von Flächennutzungsarealen in Einzelobjekte, wie z.B. Gebäude, und deren lagegetreue Kartierung.

Wird bei der Luftbildvorauswertung das Bildmaterial ohne besonderen Geräteeinsatz durchmustert, werden für die Detailauswertung spezielle Auswertegeräte benötigt. Diese gerätetechnische Anforderung sowie die personellen Rahmenbedingungen sind unten definiert.

Die Luftbilddetailauswertung liefert neben den Ergebniskarten eine detaillierte Beschreibung der festgestellten Strukturen, der vermuteten Handhabungsabläufe und der altlastenrelevanten Aspekte. Ergänzend werden wichtige Objekte durch Ausschnittsvergrößerungen dargestellt. Ein Groundcheck kann notwendig werden (z.B. im Rahmen von historisch-genetischen Rekonstruktionen).


Gerätetechnische Anforderungen an die Luftbildauswertung

Die Luftbildauswertung setzt eine gerätetechnische Grundausstattung voraus:

  • Luftbildvorauswertung
    • Lupen unterschiedlicher Vergrößerung,
    • Linsen- oder Taschenstereoskope,
    • Tischspiegelstereoskope mit verschiedenen Vergrößerungen.
  • Luftbilddetailauswertung
    • Stereoskopische Auswertegeräte mit
      • Auflicht und Durchlichteinrichtung,
      • Parallelführung des Bildträgers,
      • Zoom-Optik,
      • Fotoeinrichtung.
    • Analytische Auswertegeräte
      • Betrachtungs- und Bildmesseinheit, PC-Software (Orientierung, Messung, Entzerrung),
      • CAD-Systeme einschl. Digitalisiertablett und Großformatplotter.


Erfahrungen des Auswerters

Die Interpretation der Auswerteergebnisse ist gekoppelt mit der Subjektivität der Beobachtung des Auswerters. Langjährige Erfahrung des Auswerters ist eine grundlegende Voraussetzung für das sachgerechte Erkennen vorhandener Strukturen und deren Interpretation.

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